Archiv - 2011

Jahreshauptversammlung 2011

War es nun die Jahreshauptversammlung 2011
oder doch die Hauptjahresversammlung?

Klingelingeling … mit diesem schrillen Gebimmel eröffnete Hans Fellbach nach einem akademischen Viertelstündchen die Mitgliederversammlung 2011. Nur zwanzig Mitglieder hatten den Weg ins Vereinslokal „Zur Tant Seef“ gefunden, und so blickte der Vor-sitzende auch nicht allzu fröhlich in die überschaubare Runde. Zu Beginn der Sitzung gedachten die Anwesenden der in 2010 verstorbenen Mitglieder Josef Rupperath und Everhard Schröder.

Der Bericht des Vorsitzenden und der Jahresrückblick der Geschäftsführerin sprachen von einem musikalisch zufriedenstellenden Jahr, in dem aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz gekommen sei. Einziger Wehrmachtstropfen – Verzeihung: Wermutstropfen war, dass es keinen bezahlten Auftritt gegeben hat. Dies, so der Vorsitzende, müsse in den nächsten Jahren besser werden. In das gleiche Horn tutete auch Kassenwart Manfred Blum, als er der Versammlung mitteilen musste, dass sich der Kassenbestand im Jahr 2010 um über zweieinhalbtausend Euro verringert habe. Für einen Kassenmenschen eine geradezu Existenz gefährdende Entwicklung! Der Bericht der Kassenprüfer, die eine ordnungsgemäße Geschäftsführung und eine seriöse Ausgabenpraxis festgestellt hatten, rückte wieder alles ins rechte Lot, so dass die anwesenden Mitglieder Kassierer und Vorstand uneingeschränkt Entlastung erteilen konnten.

Da der bisherige zweite Vorsitzende, Daniel Semroch-Loben, aus persönlichen Gründen zum 31.12.2010 aus dem Amt ausgeschieden ist, wurde als seine Nachfolgerin Maria Haase-Brüggemann einstimmig gewählt. Dass dadurch die weibliche Dominanz im Vor-stand weiter zunimmt, hinterließ auf einigen Männerstirnen tiefe Falten! Maria, hallo: :-)  

Einen breiten Raum nahmen nun die Überlegungen für das Konzert anlässlich des 90-jährigen Vereinsjubiläums am 16.10. 2011 um 16:00 Uhr im Schützensaal ein. Dirigent Ulrich Bleck erläuterte seine Vorstellungen und legte ein Konzertprogramm vor, das den meisten Spielerinnen und Spielern die Haare zu Berge stehen ließ. Das Konzept des Dirigenten macht nicht nur ein Probenwochenende notwendig, sondern deren zwei!!! Einen solchen Quantensprung in der Musikalität des Orchesters hätten die Gründungs-väter vor 90 Jahren nicht einmal im Traum für möglich gehalten. Auch der Vorsitzende erläuterte die Überlegungen und Planungen des Vorstands für 2011, und so muss man doch fairerweise zugeben, dass das neue Jahr ein interessantes und aufregendes Ver-einsjahr zu werden verspricht. So mochte auch HF empfinden, denn seine Körpersprache war am Ende der Jahreshaupt-/Hauptjahresversammlung deutlich positiver als zu Beginn.
Bedauerlicherweise weigerte sich Kassenwart MB, die zum Abschluss übliche Runde zu bestellen – mit Hinweis auf den katastrophalen Fehlbetrag in 2010. Da die Kellnerin später doch für jeden noch ein Getränk servierte, wird er diese wohl aus der eigenen Tasche bezahlt haben. Danke!

Wie immer gab es noch einen gemütlichen Plausch hinterher, und auch die obligatorische Skatrunde fand wieder zusammen. Der Bierlachs endete wie erwartet, denn wie heißt es doch so schön: „Der Dicke ist immer der Dumme!“

Fotos: AC, Text: KPL, 21.01.2011

Jünkerath 2011

(Probenwochenende – die Erste)

2011: 90 Jahre Mandolinen-Orchester Kuchenheim. Vorstand und Orchester möchten dieses Jubiläum zu etwas Unvergesslichem machen. Das bedeutet: proben, proben, proben… Zwei Probenwochenenden waren geplant, das zweite im Oktober kurz vor dem Jubiläumskonzert, das erste bereits jetzt am letzten Wochenende im Februar. Normaler-weise dauern unsere Probenwochenenden von Freitag bis Sonntag. Die Hüter unserer Vereinsfinanzen, die HF/MB GmbH & Co KG, hatten im Budget aus Spargründen aller-dings nur Kosten für Samstag und Sonntag vorgesehen. Ein abgespecktes Proben-wochenende jedoch wollten die hoch motivierten Spielerinnen und Spieler (jedenfalls die meisten) nicht akzeptieren, und so beschloss mehr als die Hälfte des Orchesters, den Probenfreitag auf eigene Kosten in Jünkerath zu verbringen!!! Also ging’s Freitag mit einem verkleinerten Aufgebot los.

Da unser „Großer Vorsitzender“, der in der Vergangenheit für die Betreuung des Orchesters vor Ort zuständig gewesen ist, diesmal aus persönlichen Gründen verhindert war, übernahm unsere Neuerwerbung Ly die mütterliche Fürsorge.

Nach dem Abendessen am Anreisetag eine erste ausgedehnte Probeneinheit zum Ein-gewöhnen, mit einem anschließenden gemütlichen Ausklang - trotz des reduzierten Teilnehmerkreises. Dann endlich am Samstagmorgen kurz vor zehn war der Klangkörper komplett, und es machte richtig Spaß, wieder den vollen Sound zu hören. Proben macht hungrig und viel proben macht sehr hungrig, und so kam es, dass das köstliche Mittag-essen allen viel zu gut schmeckte. Einziger klitzekleiner Kritikpunkt einer „feinschmecker-ischen“ Tischnachbarin am tollen Essen: Die Wacholderbeeren im Rotkohl hätte sie lieber in flüssiger Form zu sich genommen. Einige Spieler waren so satt nach dem Hauptgericht, dass sie auf ihre Nachspeise verzichteten. Merkwürdigerweise wanderten ihre Schüssel-chen mit dem Obstsalat alle in eine bestimmte Ecke des Speisesaales… Nach dieser Völlerei war ein Rundgang um den nahe gelegenen Friedwald angesagt, was ein intensives Reinigungsbedürfnis der Schuhe zur Folge hatte.

In der nachmittäglichen Probeneinheit erfüllte unser Dirigent die freudigen Erwartungen der meisten Spielkameraden: An der schönen blauen Donau. Niemand hätte jedoch gedacht, dass sich dies zu einer Nachmittag füllenden Angelegenheit entwickeln würde. Wie gut, dass die Mädels uns mittendrin mit einem delikaten Kuchenbüfett erfreuten, zu dem unsere Ly heißen und starken Kaffee servierte. Nach einem Zweitausend-Kalorien-Abendessen noch einmal eine Probeneinheit (die wievielte inzwischen?), und dann ging es unter die Klosterkirche in ein super eingerichtetes Spielparadies. Der absolute Hammer dort war ein XXL-Kicker, an dem jeweils 4 (in Worten: vier) Mädels und Jungs gegen-einander bolzen konnten. Dreimal hatten die Mädels die Nase vorn, und jedes ihrer Tore wurde mit einem Gekreische quittiert, gegen das die Fonzahl eines startenden A 380 wie das „Schweigen in Walde“ erscheint. Doch auch die anderen Spielerinnen und Spieler kamen auf ihre Kosten: Tischtennis, Tisch-Eishockey, Basketball-Körbe, Tisch-Kegelbahn, Dartscheiben, Schach-Tische, Billard und, und, und… Als uns der Zivi kurz nach 22:00 Uhr hinaus komplimentierte, weil er endlich Feierabend haben wollte, fühlten sich alle durch dieses Toben so vom Stress des langen Probentages befreit, dass ein Fläschchen Bier oder ein Gläschen Wein in der großen Runde richtig gut taten. Beste Voraussetz-ungen also für einen tiefen und erholsamen Schlaf in der kommenden Nacht. Das Gespräch bei diesem Nachtschoppen drehte sich überwiegend um die bange Frage, ob die beiden orchestereigenen Akademiker infolge eigener Leistungen promoviert worden sind, oder ob sie doch vielleicht „geguttenbergt“ haben könnten. Gewissenhafte Re-cherchen durch den „Ehrenrat“ des Orchesters ergaben jedoch, dass dies in unserem Falle ausgeschlossen werden kann, da – Zitat: „In der Regel ein guter Musiker auch ein ehrlicher Mensch ist“ (Ende des Zitats). Gott sei Dank hat sich hier diese angesprochene Wechselbeziehung eindeutig bestätigt! 

In der Frühmesse am Sonntagmorgen übernahmen wir alle Dienste: Messdiener, Organist, Lektorin und Kommunionhelfer. Während der Kommunion spielte etwa die Hälfte der Orchestermitglieder die Suite Nr. 1 aus „Schwanensee“ von Peter Tschaikowski so ausdrucksvoll, dass die Messbesucher sehr angetan und auch wir, die wir das Stück ja kennen, sehr berührt waren. Der Pastor hätte uns am liebsten als ständige Institution des „Don-Bosco-Hauses“ dabehalten. Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es dann zur (vor?)letzten Probeneinheit. (Man verliert da leider sehr leicht den Überblick.) Die Küche – repräsentiert von 2 jungen und knackigen Männern (was einige unserer Mädels ihren „O là là – Blick“ anknipsen ließ) - tischte uns ein köstliches Mittagessen auf mit Cordon bleu und Eisdessert. Danach noch ein kleiner „Zirkel“ in der Spielelandschaft und dann die (aller, aller)letzte Probeneinheit. Dabei wurde der körperliche und geistige Abbau aller Beteiligten deutlich, angefangen vom Dirigenten bis hin zum ausgepowerten Schlag-zeuger: Depressionsbedingte Schwächeanzeichen („Ich kann net mih on well och net mih!“), Nachlassen der Merkfähigkeit, Kreislaufbeschwerden, Schweißausbrüche, ge-schwollene Fingerkuppen, zitternde Finger, dicke Füße, schmerzende Rücken, verspannte Schulterpartien, Kribbeln in der Gesäßmuskulatur und Verdauungsstörungen. Vielleicht sollte künftig doch die vorletzte gleichzeitig auch die letzte Probeneinheit sein? Das Fazit dieses Wochenendes: 9 Probeneinheiten in zwei Tagen, aber nur je 2 Mittag- und Abendessen sowie zweimal Frühstück (wenn man die gestifteten Kuchen einmal außer Acht lässt) – welch ein musikalisches Ungleichgewicht! Aber dennoch: Alles einfach klasse!!! Wenn doch bloß schon Oktober wäre.

Fotos und Text: KPL, 27.02.2011

„Heute war’s vor 50 Jahren …“

Dieser 10. Juni 1961 war für unsere geschätzte Archivarin (und daher auch für das gesamte Orchester) ein Tag von existenzieller Bedeutung: An diesem Tag traten ihre Eltern vor den Traualtar und versprachen, sich immer zu lieben und die Kinder, die ihnen geschenkt würden, anzunehmen und zu sittlichen Menschen zu erziehen. Die beiden ersten Teile ihres Versprechens haben sie getreu erfüllt, der letzte Teil jedoch bedurfte eines größeren Aufwands als zunächst gedacht – jeden-falls was den nicht männlichen Nachwuchs betrifft (diese Behauptung ist allerdings von den Eltern nicht autorisiert!). Fest steht aber: Diese besondere Mühe hat sich unbedingt gelohnt!!!Für das Orchester war es Ehrensache, beim „Dankamt zur Goldenen Hochzeit“ einige dem Anlass angemessene Stücke zu Gehör zu bringen: Henry Purcells „Lobt den Herrn der Welt“, „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Dmytri Bortniansky u. Gerhard Tersteegen, das „Heilig, heilig“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert sowie das „Largo“ aus der Oper Xerxes von Georg Friedrich Händel. Als ganz besondere Über-raschung für den Jubelbräutigam gab es nach der hl. Messe noch den „Schneewalzer“. Aber wie das so ist, wenn es mitten im Sommer winterlich wird – die Akteure können schnell ins Rutschen geraten.

UliB tauschte während des Gottesdienstes einige Male sein Mandoloncello mit der großen Orgel, um den Gesang der Gemeinde zu begleiten. Pastor Berg ließ das gemeinsame Leben der Eheleute Revue passieren: mal heiter, mal ernst – wie das Leben eben so abläuft. Kinder und Enkelkinder hatten die Messtexte vorbereitet und sprachen in der hl. Messe die selbst formulierten Fürbitten. Es war eine würdevolle Feier, die dem Jubelpaar, der Familie und allen, die mitfeiern durften, noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Zum Schluss noch unsere Adresse an das Goldhochzeitspaar: Liebe Frau Gisela, lieber Herr Josef (diese despektierlich klingende Anrede ist nur dem Datenschutz geschuldet, denn sonst stünden in der nächsten Woche Dutzende vor Ihrer Haustür, um noch nach-träglich zu gratulieren und mit Ihnen anzustoßen), wir vom Mandolinen-Orchester Kuchenheim gratulieren Ihnen sehr herzlich zu Ihrem Fest der Goldenen Hochzeit und danken Ihnen, dass wir dabei sein durften. Wir wünschen Ihnen noch viele gemeinsame Jahre in bestmöglicher Gesundheit und Zufriedenheit. Den 10.06.2021 werden wir uns vormerken. Denn Sie wollen es doch sicher mit Albert Camus halten, der davon über-zeugt ist:
„Einen Menschen lieben heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden“.

Foto: DG, Text: KPL, 10.06.2011 

Das Grillfest 2011

Endlich, endlich – nach einer Durststrecke von zwei Jahren flatterte Anfang Juni ein heißersehntes Schreiben in den Briefkasten: Die Einladung zum Grillfest. 2 Jahre sind eine lange Zeit für Grillfreunde, und so war es fast zwangsläufig, dass beim Vorstand mehr als 60 Anmeldungen eingingen. Sogar vom befreundeten Mandolinen-Orchester in Königsdorf hatten sich einige Spielerinnen angesagt. Herzlich willkommen!

Nachdem der Verein einige Jahre „fremdgegangen“ war auf den Grillplätzen in Roitzheim und Wüschheim, zog es viele Mitglieder mal wieder auf den gemütlichen alten Kuchen-heimer Schützenplatz (was den Vorteil hat, dass die meisten auch Alkohol trinken dürfen, weil sie ihr Auto in der Garage lassen konnten). Die Wetterprognose war zwar „durch-wachsen“, aber da Cheforganisator HF nach altem Brauch wieder eine große Kerze in der Kapelle des „Decken Tönnes“ (für Immis: Der Decke Tönnes ist der hl. Antonius von Ägypten, der im Mittelalter zu den 14 Nothelfern gezählt wurde und der heute um Hilfe gebeten wird, wenn man etwas Wichtiges verloren hat – zum Beispiel das schöne Wetter) mit der Bitte um Beistand angezündet hatte, waren die meisten doch recht zuversichtlich, dass das Wetter erträglich sein würde. Und siehe da: Nach ein paar Tröpfchen bei den Aufbauarbeiten kam die Sonne durch, und wir hatten bis zum Schluss freundliches Wetter mit viel Sonne.

Unser Chefkoch lieferte Mengen von Grillgut und eine Reihe unserer Spielerinnen und einige Spielerfrauen kamen an mit köstlichen Salaten, Soßen, Kräuterbutter, Brot und was man sonst noch an Delikatem für gelungenes Grillen benötigt. Nach dem mehr als reichhaltigen Essen hätte man denken können, das Verzehrte müsse mindestens bis zum nächsten Mittag reichen, doch weit gefehlt: Schon nach 2 Stunden verlangten die ersten nach Kaffee und Kuchen. Und obwohl HF das Kaffeebüfett erst für 15:30 Uhr angekün-digt hatte, konnte er dem Drängen, aber auch dem Charme der (bis auf 1 Ausnahme) weiblichen Schleckermäulchen nicht länger widerstehen und gab kurz nach Drei den Startschuss zur „Süßen Stunde“.

Bewegung ist gut gegen Magendrücken, und so tummelte sich nach dem Kaffee ein Teil der Besucher unter den alten Bäumen des Schützenplatzes. An einem Tisch wurde gewürfelt, an anderer Stelle spielten ganz Junge und einige Ältere zusammen „Boule“, während man in der größten Gruppe das bisher unbekannte Spiel „Kubb“ kennenlernte, das die Spielerinnen aus Königsdorf mitgebracht hatten. Dieses Spiel ist in Norwegen und Schweden sehr beliebt, wird aber auch bei uns gespielt unter dem Namen „Bauern-kegeln“ (ob Spielleiterin Sylvia damit wohl etwas auf spielerische Weise zum Ausdruck bringen wollte?!!!). Es ist schon erstaunlich, wie selbst gestandene Erwachsene mittels einiger Holzklötzchen und diverser Holzstäbe in Begeisterung geraten können. Die Anfeuerungsrufe (besser gesagt das Anfeuerungsgeschrei) der Mitspieler beendete abrupt so manchen Mittagsschlaf in der Umgebung. Etwas Gutes löste diese Spielfreude aber dennoch aus: Viele hatten plötzlich wieder genug Appetit, um eine letzte Grillrunde mitzumachen und dafür lieber auf das Abendessen zu Hause zu verzichten. Hoffentlich ist vom Grillfleisch noch soviel übriggeblieben, dass das zur Tradition gewordene Nachgrillen im Herbst bei Berti und Hans wieder stattfinden kann.

Fröhlich gelacht, viel getrunken und gut gegessen – jetzt drängten die Gäste aber mit Macht heimwärts; nur das „Klar-Schiff-Team“ hatte noch eine arbeitsreiche Stunde vor sich, und der einen oder dem anderen mögen die Zeilen von Wilhelm Busch durch den Kopf gegangen sein:

„Es ist halt schön,
wenn wir die Freunde kommen sehn.
Schön ist es ferner wenn sie bleiben
und sich mit uns die Zeit vertreiben.
Doch wenn sie schließlich wieder gehn,
ist’s auch recht schön“.

Fotos: HF, Text KPL, 17.07.2011

Der Wandertag 2011

(oder: Was unterscheidet eine Wespe von der Deutschen Bahn?)

Seit 10 Jahren (herzlichen Glückwunsch!) organisieren Spielleiterin Vera und ihr Mann Sepp Anfang September den Wandertag der Aktiven – meist im Großraum Keldenich. Und so brach auch an diesem 3. September wieder ein gutes Dutzend musikalischer Wander-freunde (einige fehlten wegen Urlaub, Krankheit, Verletzung oder Wanderfaulheit) vom Kuchenheimer Bahnhof erwartungsfroh Richtung Eifel auf.

Das Abenteuer begann bereits auf Gleis 1 in Euskirchen. Die Bruchstücke einer schwer verständlichen Ansage mussten erst von verschiedenen Reisenden zusammengepuzzelt werden, bis endlich der Sinn der Durchsage verständlich wurde: Der Neun-Uhr-Zug Richtung Nettersheim fällt aus wegen “Störungen im Betriebsablauf“ (dieser Begriff ist unser Vorschlag für das Unwort des Jahres 2011!!!). Na gut, nehmen wir also den nächsten Zug in 30 Minuten. Doch Pustekuchen: Dieser Zug fährt leider nur bis Kall. Also per Handy den in Nettersheim wartenden „Eifelanern“ mitgeteilt, dass wir frühestens gegen 10:30 Uhr in Nettersheim sein können, sofern die Bahn bis dahin ihre Betriebs-abläufe optimiert hat. Zeit genug also für ein Tässchen Kaffee in der dortigen Bäckerei. Mit großem Hallo wurden wir dann am Zielbahnhof begrüßt, und gleich ging es los mit Traktor und dem (mit festen und flüssigen Köstlichkeiten) wohlgefüllten Planwagen. Im Holz-Kompetenz-Zentrum wurde ein Bedürfnishalt eingelegt, da die Aufregungen der Anreise nicht an allen spurlos vorübergegangen waren. Und dann ab die Post, denn es galt die von der Bahn verbummelte Stunde wieder aufzuholen. 

Wir zogen Richtung Marmagen, vorbei am Müreler Wald, überquerten die geschichts-trächtige Agrippastraße Köln - Trier - Lyon - Marseille, weiter aufwärts zum Tempelbezirk Görresburg mit dem Römischen Matronenheiligtum und den Matronensteinen. Dort sollte es ein zweites Frühstück geben. Leider hatten sich aber bei den Matronen bereits so viele Wespen eingefunden, dass unser „Doppel-D“ (Dirigent und Druide) den Hausgöttinnen ein Wespenopfer hätte darbringen können. Redensartlich heißt es ja: der Klügere gibt nach. Und da wir uns für klüger hielten, machten wir uns vom Acker, bevor es zu einem Gemetzel kam. Jedoch der herrlich blaue Eifelhimmel und der Blick über die traumhaft schönen Eifelhöhen entschädigten uns reichlich dafür, dass wir nicht länger bei den Matronen verweilen durften. Am Dorfbrunnen in Marmagen gab es eine schattige Pause mit Kaffee und den ersten Proben der selbstgebackenen Kuchen. Danach ging es weiter an der Eifel-Höhenklinik vorbei, entlang des Gillesbaches zur Hallenthaler Mühle und dann Richtung Urft, wo uns unser Führungsduo auf den „Ausweichsitz der Landesregierung NW“ aufmerksam machte. Bei den Älteren ließ der garagenähnliche Eingang Erinner-ungen an die Zeit des „Kalten Krieges“ aufkommen. Buh! – schnell weiter.

Auch der diesjährige Wandertag war wiederum ein Mehr-Generationen-Treff. Vom Drei-jährigen bis zu den Mitt- und Endsiebzigern waren alle Altersstufen vertreten. Der kleine Phil, der seine Großeltern zum ersten Mal auf der Wanderung begleiten durfte, saß stolz mit Opa auf dem Traktor oder flitzte auf seinen kurzen Beinchen ständig umher. Er war bald der allgemeine Liebling, und besonders bei unseren Damen wurde das Verwöhn-Gen aktiviert. 

In Urft war es endlich soweit: Die Spreu trennte sich vom Weizen. Während das Gros der Wanderer sich im Planwagen gemütlich über die Landstraße Richtung Keldenich kutschieren ließ, ging es für den mutigen Rest vorbei an Burg Dalbenden auf einem schmalen Pfad mehrere Hundert Höhenmeter zu den Resten der Stolzenburg hoch und auf der anderen Seite wieder abwärts. Obwohl dieser Weg schweißtreibend ist und nur gangbar für gut trainiert Wanderer mit einem gestählten Körper, war diese „Elite“ dank-bar für das „Eifelhöhen-Feeling“, das man oben genießen konnte. Im Tal wartete schon der Planwagen. Die offensichtliche Bewunderung der Planwagenfahrer für unsere sport-liche Leistung entschädigte uns für die Strapazen des Auf- und Abstiegs. Vor uns auf der Höhe lockte nun Keldenich, und nach einem letzten steilen Aufstieg taumelte die wander-müde Meute erschöpft auf das Ranch-Gelände von Vera und Sepp.

Hier wurden zunächst im Halbschatten für alle Tische und Bänke aufgestellt, und die Frauen servierten uns einen verspäteten Nachmittagskaffee. Nach dem Überangebot bei den Mahlzeiten der letzten Jahre hatten wir im Spielerkreis mehrheitlich beschlossen: zurück zu den Wurzeln – einfacher und weniger. Also kamen nur noch die Reste der selbst gebackenen Kuchen auf den Tisch, und zum Abendessen hatte Chefkoch Willi zwei schmackhafte Suppen bereitet; dazu gab es Kaviarbrot mit Kräuterbutter. Kein Büfett also, sondern ein wandertagsgemäßer Imbiss, der den herrlichen Tag passend abrun-dete. Danach erschienen Vera (mit der allseits beliebten Ouzoflasche unter dem Arm) und Trude mit einem Tablett voller Gläschen. Apropos Trude. Trude ist sozusagen unser „Nesthäkchen“ – unser neuestes Orchestermitglied: freundlich, hilfsbereit und teamfähig. Nicht nur von allen geschätzt wegen ihrer Musikalität, sondern auch, weil sie in der Pause schon mal ein Bonbonglas oder ein Obstkörbchen rumgehen lässt. (Der Vollständigkeit halber: Auch andere Spielerinnen pflegen diesen schönen Brauch!) Also: Herzlich willkommen, Trude! 

Nach dem Essen kümmerten sich die Frauen um den „Spül“ und die Männer zündeten das Lagerfeuer an und stellten Sitzgelegenheiten am Feuerkreis auf. Die Jungen und die Junggebliebenen spielten derweil zwei Partien Kubb – ein Spiel, das inzwischen zum Lieblingsspiel des Orchesters geworden ist. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass Dirigent UB dieses Spiel ins Repertoire des Orchesters aufnehmen will, und dass Vor-sitzender HF eine Runde Kubb auf unserem Jubiläumskonzert am 16. Oktober mit den Gästen spielen möchte.

Danach noch eine schöne Stunde am Feuer mit Plaudern, Gesang und einem mond-beschienenen Himmel zum Träumen. Es schien viel zu früh, als gegen 21:00 Uhr der Bus vorfuhr – die Bahn hat uns eben doch eine wichtige Stunde dieses Tages geklaut! Und das bringt mich wieder zu der Frage vom Anfang: Was unterscheidet eine Wespe von der Deutschen Bahn?
Antwort: Gegen Wespenstiche gibt es Salben, gegen Zugverspätungen leider nicht!
Trotzdem war es einer der schönsten Wandertage, vielleicht sogar der schönste. Allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung mit angepackt haben: das habt Ihr wirklich toll gemacht – danke schön!

Fotos: AC, Text: KPL, 03.09.2011

Jünkerath, Oktober 2011

(Probenwochenende – die Zweite)

Dirigent und Vorstand waren übereingekommen, die Musik aus 90 Vereinsjahren im Jubiläumskonzert in einem bunten Querschnitt zu präsentieren, angefangen von den Marsch- und Wanderlieder der Gründungszeit bis hin zum modernen Klang der Jahr-tausendwende. Um das Optimum unseres musikalischen Könnens zu erreichen, ging es deshalb im Jubiläumsjahr zum zweiten Mal zu einem Probenwochenende nach Jünkerath. Mitspielerin „Margot“, die wir ja bereits kennengelernt haben, ist nicht nur etwas „schusselig“, sondern auch ziemlich pfiffig: Hatte sie doch – damit ihr Instrument nicht wieder zu Hause stehen bliebe – dessen Transport am Vorabend der Abreise einem als zuverlässig geltenden Mitspieler übertragen. Dafür hatte sie diesmal Wecker und Bett-lektüre vergessen. Und die Bücher in der Hausbibliothek der Bildungsstätte entsprachen leider nicht ihrem Geschmack.

Ab 16:00 Uhr am Freitagnachmittag trafen die Spielerinnen und Spieler so peu à peu im „Don-Bosco-Haus“ in Jünkerath ein. Das erste Abendessen war schmackhaft und sehr reichhaltig; für den Riesenappetit der Kuchenheimer Gäste allerdings wiederum nicht reichhaltig genug, denn ein ganz Besonnener aus der Runde mahnte: „Leute, haltet Euch zurück, sonst reicht es für die Nachzügler nicht mehr“! Tatsächlich war das Orchester infolge von Erkrankung (baldige Genesung, liebe Angelika), persönlichen Terminen und Vollsperrung der Bundesstraße zwischen Stadtkyll und Jünkerath noch nicht ganz voll-ständig. Mit gut gefüllten Bäuchen konnte die 1. Probeneinheit endlich starten. Und obwohl die meisten nach der arbeitsreichen Woche recht abgespannt wirkten, fluppte es gleich so gut, dass unser Dirigent beifällig nickte und die Probe pünktlich zum Beginn der 2. Halbzeit des Fußball-Länderspiels Türkei – Deutschland eine Viertelstunde früher als geplant abpfiff. Nach den Grundsätzen der Geschlechtertrennung saßen die Jungs dann beim Fußball und die Mädels in der Küche. Dank unserer lautstarken Anfeuerung musste sich der Gastgeber mit 1:3 Toren geschlagen geben. Dass dies bei uns allen einen kleinen Durstschub auslöste, ist wohl plausibel. Zur vorgerückten Stunde – Mittenacht war schon vorüber – griffen noch einige Spielerinnen und Spieler zu ihren Instrumenten und rockten noch ein halbes Stündchen ab, sehr zum Vergnügen der verbliebenen Spielkameraden. Ob die anderen Schläfer im Haus ebenso begeistert waren, ließ sich nicht eindeutig feststellen. Wir haben aber auch nicht richtig nachgefragt… 

Nach dem kräftigen Frühstück am nächsten Morgen waren auch die meisten Nachzügler eingetroffen, und los ging’s mit voller Spielpower. Es klappte so gut, dass wir ohne Pause weiterprobten bis zum Mittagessen, bei dem wir dann der Küche „die Haare vom Kopf futterten“. Zu Rotkohl und Gulasch gab es erst Klöße; als die alle waren Spätzle und als letztes Angebot Bandnudeln – was in der Küche neben einem unverständlichen Kopf-schütteln auch große Besorgnis für die kommenden Mahlzeiten auslöste. Gegen Mittag traf endlich auch der lange erwartete 1. Vorsitzende ein. Von da an lief dank seiner ausgeklügelten Planung erst recht alles wie am Schnürchen. Nach dem Mittagessen folgten Einzelproben für die Akkordeongruppe und die Mandola-Stimme. Die restlichen Spieler freuten sich über eine Freistunde im Spielkeller! Zum Nachmittagskaffee hatte HF in der Küche den von unseren Mädels selbstgebackenen Kuchen quadratmeterweise aufgebaut. Dazu gab es Kaffee, Tee, Milch, Kakao oder einfach nur Limo. Diese gemüt-liche Runde nahmen wir zum Anlass, unserem Spielkameraden und „Vereinsarzt“ Om ganz herzlich zur Goldhochzeit zu gratulieren. Im Auftrag des Orchesters überreichte unsere Spielleiterin einen Margaritenbusch, aus dem merkwürdigerweise rote, blaue und braune Papierstücke wuchsen. Der Jubilar freute sich sehr und dankte auch im Namen seiner „Goldbraut“. Danach ging es weiter im Takt, denn es standen bis zum Abendessen noch einmal die „Schwergewichte“ für das Jubiläumskonzert auf dem Programm. Nach dem Abendessen erneut die schwierigsten Stücke, dann war Feierabend. Die vom Freitagabend her noch schwächelnden Spielerinnen und Spieler zog es in die gemütliche Küche neben unserem Probenraum, die robusteren stürmten hinüber zum Kirchen-gebäude. Aber nicht zum Abendgebet in die Kirche, sondern zum Abendspiel in den Spielkeller unterhalb der Kirche – verdrehte Welt! Kurz darauf gingen die Gesundheits-bewussten zu Bett, während die Unersättlichen ihr unbeaufsichtigtes Wochenende nutzten und sich noch zu einem kürzeren oder auch längeren Plausch zusammensetzten. Obwohl die Nacht nicht für alle ausreichend erholsam war, sah man beim Sonntags-frühstück viele fröhliche Gesichter. Es war förmlich zu spüren, wie sich (fast) alle auf die nächste Probeneinheit freuten, in der die modernen Stücke für das Konzert auf dem Programm standen, insbesondere „Musik“ von John Miles. Zwar ist diese Komposition recht schwierig, da Miles für eine längere Passage einen absolut ungewohnten sieben-viertel Rhythmus gewählt hat, dennoch mögen die meisten Spieler des Orchesters dieses Werk sehr. Stefan, einer unserer Youngster, spielte eine Sequenz auf einer elektronisch verstärkten Mandoline, was einen „irren Sound“ ergibt. Dieser musikalisch erfolgreiche und auch kurzweilige Vormittag ging nahtlos in ein opulentes Mittagessen über. Bei allen Mahlzeiten dieses Wochenendes war „Daniel“ unser Ansprechpartner im Hause und unser Betreuer. Spontan beschlossen alle Orchestermitglieder, ihm für seine Hilfsbereitschaft, Höflichkeit und Flinkheit durch Spielleiterin Vera einen „Dankesumschlag“ überreichen zu lassen, was ihn sichtlich freute. Nach diesem Festmahl wäre eine 10-km-Wanderung sicherlich angebracht gewesen. Trotzdem gelang es UB, alle zu einer letzten Probe in unseren Übungsraum zu komplimentieren. Der Dirigent war jedoch sensibel genug, zu spüren, dass der Leistungszenit des Orchesters für dieses Wochenende bereits am Vormittag überschritten war, und so beschränkte er sich darauf, nur noch einmal die schwierigsten Passagen und Übergänge zu wiederholen (guter Junge!!!), bis dann kurz vor drei endgültig Schluss war. Beim Abbauen und Aufräumen packten alle kräftig mit an, so dass wir uns bis 16:00 Uhr noch gemütlich zu einem Tässchen Kaffee und einem letzten Stückchen Kuchen zusammensetzen konnten. Nach einem herzlich „Tschüss“ ging es in alle Richtungen auseinander – jedoch in der gespannten Erwartung auf ein Wiedersehen beim bevorstehenden Jubiläumskonzert.

Zum Abschluss noch eine weitere Personalie: Cara-Aimée, Clarissa und Trude erlebten zum ersten Mal die intensiven Vorbereitungen eines Konzertes. Alle drei haben sich wacker geschlagen und sind eine erfreuliche Verstärkung des Orchesters. Willkommen also in der Realität der Musik. Nicht nur für sie hat Goethe zwei beachtenswerte Zitate hinterlassen, sondern für alle Spielerinnen und Spieler:

„Aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen“ (aus Wilhelm Meisters Wanderjahre) und „Vom Handwerk kann man sich zur Kunst erheben, vom Pfuschen nie“.

Merke: Hört auf Euren Goethe!

Fotos: AC, KPL Text: UB, KPL, 09.10.2011

Das Jubiläumskonzert 2011

aus Anlass des 90-jährigen Bestehens des Mandolinen-Orchesters 1921 Kuchenheim e.V.

Neun Jahrzehnte Zupfmusik – ein langer Weg mit Höhen und Tiefen, „Durststrecken“ und musikalischen Erfolgen. Vorstand und Dirigent hatten sich vorgenommen, diesen musikalischen Weg im Jubiläumskonzert nachzuzeichnen bzw. hörbar zu machen – von den Anfängen bis zur modernen Gegenwart des Orchesters.

Die intensiven Konzertvorbereitungen vielfältigster Art haben sich gelohnt. Die Kuchen-heimer Schützenhalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Vorsitzender Hans Fellbach war sichtlich zufrieden, wen er alles begrüßen konnte: die Gäste im Saal, den Leitenden Pfarrer Peter Berg, die Schwestern vom St. Josefsstift (O-Ton Hans Fellbach: „Unsere treuesten Fans“), Vertreter der Dorfvereine, Spieler des befreundeten Mandolinen-orchesters Königsdorf und alle Mitwirkenden.

Danach ging es endlich los. Dirigent Ulrich Bleck gab zu allen Kompositionen kurze, aber sehr interessante Informationen. Bei dem Eröffnungsstück „San-Lorenzo-Marsch“ von Cayetano Alberto Silva handelt es sich um einen argentinischen Militärmarsch aus dem Jahr 1901, der auch in das Repertoire der deutschen Militärmusik aufgenommen worden ist – aber auch bei jeder Wachablösung vor dem Buckingham-Palast in London gespielt wird. Der folgende Marsch „Am Mühlenbach“ ist eine eigene „Schöpfung“ der ersten Orchestergeneration und hieß ursprünglich „Sodemarsch“. Nach der Überlieferung haben einige Spieler bei einem Kirmesbesuch die Melodie von einer Wurlitzer-Orgel gehört. Zu Hause hat man die Melodie einstimmig auf Notenpapier festgehalten. Nach den Proben (und einigen Bierchen) wurde sie dann auf dem Nachhauseweg gesummt. Dabei gingen die Spieler mit einem Bein auf dem Gehweg und mit dem anderen Bein durch die Gosse (umgangssprachlich „Soot“, Mehrzahl: „Sode“ – daher der Name „Sodemarsch“). Diese merkwürdige Gangart entsprach der etwas „holprigen“, sprungreichen Melodieführung des Stücks, was dann zu der seltsamen Namensgebung führte. Die heutige mehr-stimmige Fassung, wie wir sie spielen, ist ein Arrangement unseres früheren Dirigenten Toni Klinkhammer und unseres Senior-Spielers Jakob Fleischhauer. Die anschließende „Mühle im Schwarzwald“ von Richard Eilenberg war über viele, viele Jahre hinweg das Paradestück des Orchesters und das Lieblingsstück seiner Zuhörer - auch heute immer noch gern gehört, nicht zuletzt auch wegen der Nachahmung der Vogelstimmen und des Mühlrad-Geklappers. Obwohl alle Gäste aus dem Programmheft wussten, was folgen würde, gab es Beifall, als der Dirigent den „Donauwalzer“ ankündigte – jenen unsterb-lichen Walzer aus der Feder von Johann Strauss (Sohn): „An der schönen blauen Donau“. Dieses Werk stellt wegen der hohen Dynamik, der wechselnden Tempi und der „unzähligen“ Wiederholungen hohe Anforderungen an jedes Orchester. Der frenetische Applaus des Publikums ließ darauf schließen, dass wir diese Schwierigkeiten zufrieden-stellend meistern konnten. Danach ging es von der Donau an die Spree. Der Kuchen-heimer Jazz-Gitarrist Bert Enkel hat vor Jahren auf die Bitte unseres verstorbenen Dirigenten Erich Radermacher aus Werken von Paul Linke, Bobby Kamp, Walter Kollo, Ralph Maria Siegel, Otto Teich und Siegfried Translateur ein höchst abwechslungsreiches „Berlin-Medley“ zusammengestellt. Aus dem begeisterten Mitklatschen und dem lauten Pfeifen (beim Sportpalastwalzer) war zu entnehmen, dass das Stück bei den Zuhörern gut ankam. Das Orchester beendete seinen Part im 1. Teil des Konzerts mit der „Suite Latina“ von Klaus Schindler. Die frühere Dirigentin, Elke Limbach, hat dieses Stück in das Repertoire des Orchesters aufgenommen und damit einigen Aktivitäten des Schlag-zeugers Raum gegeben. Die verschiedenen Rhythmen Mambo, Béguine und Valse créole lassen etwas vom Feuer und dem Temperament der lateinamerikanischen Musik spüren.

Das Jugend-Zupf-Ensemble (kurz JZE genannt) gestaltete das Ende des 1. Programm-teils. Es war erfrischend, zu sehen und zu hören, wie locker und entspannt, aber dennoch sehr präzise die Kinder und Jugendlichen ihr Repertoire vortrugen: „Candle in the Wind“ von Elton John, das insbesondere durch die Beerdigungs-Feierlichkeiten von „Lady Di“ bekannt geworden ist, sowie das Werk eines unbekannten Komponisten „In der Ritterburg“, „Whispering“ (deutsch: „Geflüster“) von Schornberger – neu arrangiert von Daniel Semroch-Loben, einen „Bandscheibenvorfall“ von Benny Goodman: „Slipped Disk“ und einen Titel von Michael Borner „Rumba“ (aus „Alla Cubana“). Als letztes Stück des JZE hörten wir von Elisabeth Lotterstätter und Martina Schneider die Variationen über einen „Sommerabend mit Gelsen“, wobei Österreich-Urlauber wissen, dass dort mit „Gelsen“ Mücken und andere Insekten gemeint sind. Das Summen der Plagegeister, das Abwehr-Wedeln mit den Händen und das Klatschen auf die eigene Wange empfanden die Zuhörer – besser gesagt – Zuschauer als höchst amüsant. Als Vorsitzender Hans Fellbach sich beim Ensemble und seinen musikalischen Leitern, Daniela Semroch und Daniel Semroch-Loben bedankte, konnte man erkennen, wie zufrieden – ja stolz – er auf diese Spieler von morgen war. Zur allgemeinen Überraschung stand plötzlich Elke Limbach, unsere frühere Dirigentin, an der Bühne, um zum Jubiläum zu gratulieren und dem JZE als Geschenk eine Einladung zu einem musikalischen Wochenende mit kostenlosem Instrumental-Unterricht, Ritterrallye und Schlafsackübernachtung in ihrer Musikschule zu überreichen. Die Freude über ihr Erscheinen war groß - nicht nur wegen des tollen Geschenks.

Den 2. Teil des Konzerts eröffnete die „Akkordeon-Gruppe“. Sie gehört zur Historie des Orchesters und hat über viele Jahre dessen musikalische Bandbreite bereichert. Auch wenn aus persönlichen oder beruflichen Gründen nicht mehr alle früheren Mitglieder dieser Gruppe aktiv sein können, war es für sie dennoch keine Frage: „Wir machen mit“! Es war ein Genuss, noch einmal einige der alten Glanzstücke zu hören: „Biscaya“, das durch James Last weltbekannt wurde, oder „Marina“, der Superhit von Rocco Granata aus den 1950er-Jahren, und dann noch die „Erinnerung an Circus Renz“, ein Stück, das die 6 Spielerinnen und Spieler mit einem Stringendo vortrugen, bei dem es die Zuhörer von den Sitzen riss. Dass am selben Wochenende ein Zirkus mit dem Namen „Renz“ in Kuchenheim gastierte, und zwar nur wenige hundert Meter von unserem „Konzertsaal“ entfernt, war natürlich kein Zufall, sondern nur der weitblickenden und einflussreichen Arbeit des Vorstands zu verdanken!

Jetzt führte das Orchester seine Zuhörer allmählich in das Finale des Konzerts. Es begann getragen mit dem „Schwanensee“ von Peter Tschaikowsky (Suite Nr. 1 Scène) und „O mio babbino caro“ aus der musikalischen Komödie „Gianni Schicchi“ von Giacomo Puccini. Eine unserer jungen Spielerinnen, die über eine wunderschöne Sopranstimme verfügt, sang dieses Lied als Solistin mit dezenter Begleitung des Orchesters. Anschließend brillierte unsere Akkordeonistin mit den „Katalanischen Impressionen“ von Fred Witt in einer Weise, dass ein anwesender exzellenter Musiker nach dem Konzert gestand, er habe bei diesem Vortrag ein Gänsehaut-Gefühl gehabt. Es folgten „Conquest of Paradise“ (1492) von Vangelis, „Reality“ von Jeff Jordan/Vladimir Cosa aus dem Film „La Boum 1“, von John Miles „Music was my first Love“ („Musik - meine erste Liebe“) und zum Schluss „Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber. Bei diesen Stücken konnte man nicht davon ausgehen, dass unser Publikum (insbesondere die nicht mehr ganz jungen Zuhörer) schon deshalb applaudieren würde, weil man das Stück kannte - hier musste die Darbietung überzeugen. Und dies tat sie wohl. Der phasenweise wuchtige Bolero-Rhythmus in „Conquest of Paradise“, Stefan Schmidts Spiel auf einer elektrisch verstärkten und elektronisch verzerrten Mandoline bei „Music was my first Love“, dazu extreme Tempowechsel und ein stark betonter Rhythmus mit einer langen Sequenz im siebenviertel Takt , schließlich noch ein vorwärts drängender Beat in „Phantom der Oper“ schienen das Publikum ahnen zu lassen, welch großer Aufwand an Proben dazu notwendig gewesen ist. Der begeisterte Applaus war ein schöner Dank für die vielen Mühen und auch dafür, dass wir nicht selten an die Grenze unserer Leistungsfähigkeit gehen mussten.

Als lautstark geforderte Zugaben noch „Morgens um sieben“ von James Last und eine schmissige Swing-Nummer „Walking Bass“ von Dieter Kreidler – dann war Schluss. Danach noch der Dank des Vorsitzenden an den Dirigenten und die beiden Spielleiter des JZE und der Dank des Orchesters an seinen Vorsitzenden (und den Vorstand natürlich) und von allen ein herzliches Dankeschön an unseren Tonmeister Albert.

Ein letzter Gedanke noch zur Musik. Für John Miles war sie seine erste Liebe, während Friedrich Nietzsche in seiner „Götzendämmerung“ schrieb: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“.

Recht haben beide!

Fotos: JL, Text: KPL, UBk, 16.10.2011

Adventszeit – Glühweinzeit

Pünktlich zum 1. Advent hatte das Mandolinen-Orchester Kuchenheim wieder zu einem Glühweinabend vor dem Kuchenheimer Pfarrheim eingeladen. Und so traf sich nach der samstäglichen Vorabendmesse ein buntes Völkchen zu einer 1. Glühweinrunde der Saison (die 2. Runde wird am kommenden Samstag beim Patrozinium im Pfarrheim folgen). Obwohl das spätherbstliche Wetter noch nicht die Idealtemperatur zum Verzehr heißer Getränke gebracht hatte, hoffte das Service-Team AG, IB, MHB und MB dennoch auf viele Konsumenten der heißen Flüssigkeiten und hielt ausreichende Mengen in den Warmhalte-Kesseln bereit: köstlichen Glühwein für die Freunde des roten Saftes und für die Kinder und die Alkohol-Asketen Kinderpunsch und heiße Schokolade.

Die Stimmung war gemischt: von ernsthaften Gesprächen bis hin zu fröhlichen und lachenden Grüppchen, in denen geflachst wurde und ein Kalauer nach dem anderen folgte. Als Pastor Berg dazukam und wie gewohnt einige Witze und Anekdötchen zum Besten gab, schwappte die Fröhlichkeit über. Kein Gedanke mehr an die gerade noch in der Predigt angemahnte Besinnung und Umkehr vor Weihnachten!

Nach einer guten Stunde zog es die ersten nach Hause. Der harte Kern jedoch leerte noch die letzten Reste aus den Warmhaltebehältern; dann waren Aufräumen, Spülen und Wischen angesagt.

Da der Verein wiederum die Kosten für den Materialeinsatz übernommen hatte, ergab der Kassensturz eine Einnahme von rd. 200,00 Euro, die durch eine großherzige Spende noch um 50,00 Euro aufgestockt wurde. Der Gesamtbetrag wird der Pfarrcaritas übergeben, die damit einigen Pfarrmitgliedern eine dringend benötigte vorweihnachtliche Hilfe zukommen lassen kann.

Denn wie sagte Pfarrer Berg, als er zum Schluss der Messe die Einladung zu zwei/drei Bechern Glühwein aussprach: „Gönnen Sie sich selbst etwas, und tun damit für andere etwas Gutes.

Dem ist nichts hinzu zu fügen, denn alle haben dies beherzigt.

Fotos: IL, Text: KPL, 26.11.2011

Der Nikolausabend 2011

Einige Teilnehmer des Nikolausabends hatten sich bereits eine Stunde vor dem offiziellen Beginn im Vereinslokal „Zur Tant Seef“ zum gemütlichen Abendessen verabredet. Sie wollten in Ruhe genießen, bevor Anspannung und Aufregung mit der Ankunft des hl. Nikolaus steigen würden. Leider hatten einige Orchestermitglieder und auch Gäste, die sonst Stammgäste bei unseren Vereinsfeiern sind, wohl die Befürchtung, der Hl. Mann würde in diesem Jahr den Hans Muff mit seinem großen Sack mitbringen. Und da erschien es der einen oder dem anderen wohl vernünftiger, dieses Mal zu Hause zu bleiben - denn sicher ist sicher!

Vorsitzender Hans Fellbach zeigte sich bei der Begrüßung etwas enttäuscht darüber, dass nicht alle Tische vollständig besetzt waren. Trotzdem herrschte von Beginn an eine fröhliche Stimmung mit einem ersten Höhepunkt: der Ehrung langjähriger Mitglieder – Brunhilde Pütz für 25 Jahre und Herbert Dunkel (der leider aus persönlichen Gründen verhindert war) sogar für 40 Jahre Mitgliedschaft.

Und dann kam er: Kein Weihnachtsmann aus der Werbung, sondern in seinem schönen alten Bischofsgewand – der hl Nikolaus aus unseren Legenden, allerdings ohne seinen Hans Muff. Zögernd stimmten Dirigent und Bassist an, und dann ertönte aus vielen Kehlen und mit rhythmischem Klatschen: „Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freu’n! Lustig, lustig traleralala, heut’ ist Nikolausabend da, heut’ ist Nikolaus-abend da!“ Mit seiner ruhigen und tiefen Stimme lies der Hl. Mann das Vereinsjahr noch einmal Revue passieren; teilte viel Lob aus (ganz besonders an den Vorstand für die ausgezeichnete Vorbereitung des Jubiläumskonzertes und an Dirigenten und Orchester für die tolle Leistung beim Konzert selbst), hatte aber auch hier und da kleine Anre-gungen parat, wie das ein oder andere noch besser gemacht werden könnte. Alle Aktiven erhielten von ihm eine wohlgefüllte Nikolaustüte. Auch der Leitende Pfarrer, Pastor Peter Berg, der gerade im Saal erschien, konnte sich über eine Tüte freuen und auch darüber, dass der Nikolaus ihm für die gute Zusammenarbeit zwischen Pfarrgemeinde und Mando-linen-Orchester dankte. Pastor Berg wiederum war dankbar, als Hans Fellbach ihm den Erlös des Glühweinabends vor dem Pfarrheim in Höhe von mehr als 260,00 € überreichte. Ohne Details zu nennen erzählte der Pastor, dass es auch in Kuchenheim Pfarrmitglieder gebe, denen eine kleine Hilfe in dieser Zeit hochwillkommen sei. Er versprach, mit diesem Geld – wie schon in den Vorjahren – einige Nöte zu lindern und Kinderwünsche zu erfüllen.

Nach altem Brauch musste unsere neue Mitspielerin Trude ein Weihnachtsgedicht vortragen. In freiem Vortrag und sehr gekonnt gab sie ein hintergründiges Gedicht von Heinz Erhardt „Die Weihnachtsgans“ zum Besten und führte damit das Publikum aus der besinnlichen wieder in eine fröhliche Stimmung. Denn nicht umsonst heißt der 3. Advent „Gaudete“ (Freut Euch).

Nun warteten alle darauf, dass es endlich mit dem Verkauf der Lose für die große Tombola losgehen möge. Glücksfee Inga ging mit ihrem Schatz…meister von Tisch zu Tisch und erweckte tatsächlich bei vielen die Hoffnung, dass sie heute Abend groß absahnen würden. Man konnte allerdings schnell erkennen, wer Glück in der Liebe hat und wer nicht. Gott sei Dank gehört der Berichterstatter zu den Ersteren. Die Aus-händigung der Preise erfolgte wohldosiert: Zunächst die Preise für die Kinder, die zu Bett mussten, und dann nach und nach die Gewinne der Erwachsenen (damit die nicht zu früh die Feier verlassen sollten). Ein zu frühes Ende verhinderte auch der „harte Kern“, von dem man weiß, dass er eine Feier möglichst nicht am selben Tag beendet, an dem sie begonnen hat. Und so hatten die netten Kellnerinnen noch manches Tablett mit Bier und Wein heranzuschaffen bis endlich die Letzten den Heimweg antraten. So ist es auch zu erklären, dass einige Nachbarn der „Tant Seef“ sich mordsmäßig ärgern konnten, als sie nach Mitternacht noch hören mussten:

„Nik’laus ist ein guter Mann,
dem man nicht g’nug danken kann!
Lustig, lustig traleralala,
nun war Nikolausabend da,
nun war Nikolausabend da.

Man darf ernsthaft daran zweifeln, ob jemand von diesen „Aufgeweckten“ die Strophe mitgesungen hat. Vielleicht hätte Nikolaus doch seinen Hans Muff mitbringen sollen…

Fotos: IL, Text: KPL, 10.12.2011